Diabetes frühzeitig entdecken
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„Es ist immer die Frage des Wollens“

Auch mit Diabetes Typ 2 lässt sich das Leben aktiv gestalten

von meine gesunde Seite (Kommentare: 0) , Foto: ©Helmut Meier

Im Interview gibt uns Helmut Meier, ehemaliger Bundespolizist und Typ 2 Diabetiker, Einblicke in sein Leben. Passend zur Diabeteswoche berichtet er, welche Auswirkungen die Krankheit hat und wie er Bewegung in seinen Alltag und sogar in seinen Urlaub bringt. Der Wahl-Aachener ist verheiratet, war über 40 Jahre bei der Bundespolizei, hat vier Söhne und zahlreiche Enkelkinder.

Lieber Herr Meier,
wie sieht denn Ihr Alltag aus? Wie verbringen Sie einen typischen Wochentag?

Seit meiner Pension lasse ich alles etwas langsamer angehen. Ich stehe früh auf, trinke morgens Kaffee, lese die Zeitung und beginne meinen normalen Tagesablauf. Das bedeutet, dass ich regelmäßig meine Krankengymnastik mache, wenn ich kann auch meine Spaziergänge. Ansonsten hab ich hier rund ums Haus und im Haushalt immer etwas zu tun. Oft kommen die Enkel, die mich auf Trab halten, oder die Familie. Manchmal schaue ich auch in der Schreinerei meines Sohnes vorbei.

Wann haben Sie denn erfahren, dass Sie an Diabetes erkrankt sind?

Meine Hausärztin hat mir schon Mitte der 80 Jahre gesagt, dass die Tendenz da ist. Aber die Werte waren nie so hoch, dass ich therapeutisch einsteigen musste, bis zum Jahr 2005. So habe ich bei einer normalen Blutuntersuchung davon erfahren. Da ist es erkannt worden, dass der Blutzuckerspiegel erhöht war, und im Endeffekt ist Diabetes Typ 2 festgestellt worden. Ab diesem Zeitpunkt startete die Therapie.

War die Diagnose überraschend für Sie?

Ja und nein, kann man sagen. Da mir schon früh gesagt worden ist, dass es möglich wäre, dass ich an Diabetes erkranke. Meine Mutter hatte Diabetes, meine Schwester hat es auch. Also so überraschend kam es daher nicht und wir haben damit gerechnet. Am Anfang ist es eine Umstellung. Wie soll ich sagen, man denkt sich: Was ist jetzt los. Ich hatte aber gleich zu der Zeit Unterstützung vom Arzt und habe von ihm eine Einweisung bekommen, wie man sich essens- oder sporttechnisch verhält. Wie gesagt, ein großer Schock war es nicht. Aber man ist anfangs etwas irritiert. Es ist so endlich, dass man nichts daran ändern kann. Man kann es nur noch etwas einschränken und das war erst einmal mein Ziel.

Aber dann kannten Sie die Erkrankung Diabetes schon vor Ihrer Diagnose?  

Ja ja, man beschäftigt sich damit, da auch meine Schwester daran erkrankt ist. Auch bevor es ausbricht, macht man sich Gedanken und tut lieber früh etwas. Damals war es deutlich strenger als heute. Heute ist man ja eher davon ab, dass nur die Essgewohnheiten ausschlaggebend sind. Früher wurde gesagt: Iss das nicht und das nicht und das nicht. Das hat es sich ja heute normalisiert. Ich habe trotzdem normal weitergelebt, bis auf einzelne Sachen wie z.B. Cola. Das hab ich gemieden.

Wie war es für Ihr Umfeld, als Sie von der Krankheit erfahren haben?

Es war nicht der Riesenschock, auch nicht bei meiner Frau. Meine Frau ist Krankenschwester. Anfangs ist es ja so, dass man nicht mit der Krankheit hausieren geht. Man möchte nicht jedem erzählen, dass man Zucker hat. Aber die nähere Verwandtschaft wusste es. Ich rede lieber mit meiner Familie, doch da ist es kein großes Thema. Ich will das auch nicht, weil dann immer so ein paar Ratschläge, die man ja selbst weiß, kommen. Wenn man sich ein wenig bemüht, weiß man, wo man dran ist.

Und wie würden Sie beschreiben, dass Sie heute damit umgehen?

Von der Ernährung her brauchten wir uns hier gar nicht umzustellen. Meine Frau kocht immer frisch, wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst. Sportmäßig will ich noch mehr machen. Woran ich auch arbeite, ich trinke gerne mal ein Bier. Ich trinke sogar schon mal eins mehr, aber es ist alles im Rahmen. Hier bin ich bemüht, das etwas einzuschränken. In unserem Alter ist es ja nun so, dass man ständig auf das Gewicht achten muss.

Pausen gönne ich mir natürlich auch. Ich leg mich schon mal hin mittags. Ich brauche das, dadurch dass ich viel Sport gemacht und so abrupt abgebrochen habe. Mein Dienst war auch nicht gerade angenehm. Ich habe 30 Jahre Schichtdienst mit Nachtdiensten gemacht. Wie gesagt, ich stehe früh auf und wenn ich mittags so unterwegs bin, dann brauche ich meine Stunde Ruhe. Man lässt den Tag einfach ruhiger angehen im Gegensatz zu früher. Da war man agiler, da war immer etwas im Kopf.

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Und was haben Sie in Bezug auf Sport verändert?

Ich habe mich zuerst einer Sportgruppe angeschlossen. Das war bei der Bundeswehr, aber der Veranstalter war die Volkshochschule. Ich habe früher viel Sport gemacht und habe mir irgendwann, das muss zwischen 2006/2008 gewesen sein, einen Bandscheibenvorfall zugezogen. Erst nach dem dritten MRT ist festgestellt worden: dicker Bandscheibenvorfall, der mir den Ischias abquetschte. Ich bin dann vor drei Jahren operiert worden und musste Not gedrungen meine sportlichen Aktivitäten einschränken. Doch ich habe mich immer bemüht und bin auf Nordic Walking umgestiegen. Hier habe ich auch eine Woche lang einen Lehrgang belegt. Doch das ist leider so wetterabhängig. Aber es tut mir gut und ich mache es nach wie vor. Und natürlich zweimal in der Woche meine Krankengymnastik. Das mache ich jetzt schon seit neun Jahren unter Betreuung. Das geht so eineinhalb Stunden und ist an verschiedenen Geräten. Sportlich, denke ich, könnte ich vielleicht noch etwas mehr machen, aber es liegt an der Zeit. Ich bin halt Pensionär, da hat man keine Zeit (lacht).

Wie ist das denn mit Urlaub?  

Auch dann möglichst viel bewegen. Ein Wanderurlaub im Jahr ist immer mit dabei. Es ist uns wirklich sehr wichtig, dass wir Urlaub immer in Kombination mit Bewegung machen. Es ist nicht so, dass wir uns irgendwo ans Wasser legen und das war es jetzt. Das bin nicht ich und das kann ich auch nicht. Wir haben jetzt eine Donau-Schifffahrt gemacht. Da ist es natürlich so, dass man viel auf dem Schiff ist und viel sitzt. Aber man kann sich bewegen, z.B. Treppen laufen. Es gibt auch Landgänge. Wir fahren auch nicht Aufzug, sondern gehen. Man kann sich schon bemühen, dass man in der Richtung was tut. Aber es ist immer die Frage des Wollens. Der innere Schweinehund ist da.

Wie sieht denn Ihre jetzige Therapie aus?

Ich bekomme Medikamente. Insgesamt eine Tablette, die ich pro Tag nehmen muss. Das ist Metformin und ansonsten achtet meine Ärztin darauf, dass ich in regelmäßigen Abständen meine Nieren, Augen und Füße kontrollieren lasse. Den Langzeitwert kontrolliere ich auch. Ich habe selbst ein Gerät zum Feststellen. Aber ich spritze nicht, weil mein Langzeitwert noch in Ordnung ist.

Das ist jetzt sehr persönlich, aber haben Sie auch Angst vor Folgeerkrankungen?

Ja, also wenn man hört, was da so alles an Folgeerkrankungen auftreten könnten, dann schon. Nur denke ich, dass ich gut eingestellt bin. Ich gehe regelmäßig zum Augenarzt. Ich gehe zur Podologin. Aber es steigt an mit den Nervenerkrankungen: Füße, Niere etc. Da kontrolliere ich schon vieles. Ansonsten, was man so über die Diabetes-Erkrankungen kriegen kann, Depressionen oder so, da glaub ich nicht, dass ich dafür anfällig bin. Natürlich weiß man es nie, aber ich gehe nicht davon aus.

Informieren Sie sich denn jetzt noch über Diabetes?

Ja, ich habe mich 2015 einem Gesundheitsprogramm meiner privaten Krankenversicherung angeschlossen. Ich denke, es dient zu Forschungszwecken. Ich werde informiert über spezielle Themen, wie z.B. „Wie verhält es sich bei Depressionen“, „Wie verhält es sich bei Infektionen“, Augen oder Füßen etc. Ich kriege Informationsblätter zugeschickt und werde zusätzlich noch von einer Ärztin betreut, die mich alle zwei Monate aus München anruft. Sie informiert mich und wir tauschen uns aus. Jedes halbe Jahr kriege ich dazu einen Protokollbogen zugeschickt, den meine Ärztin mit den Blutwerten ausfüllt und ich zurückschicke. Es ist aber eine freiwillige Sache, ich muss das nicht machen. Aber ich hoffe, dass es Einigen zu Gute kommt.

Wenn Sie jetzt an andere Medien denken: Informieren Sie sich da?

Wenn ich bei mir selbst etwas feststelle, wo ich sage, das könnte sogar auf Zucker zurückzuführen sein, suche ich im Internet. Durch den Bandscheibenvorfall war mein linkes Bein bis zum Fuß unten taub. Nach wie vor ist das Bein etwas taub und es gibt ja auch die Polyneuropathie. Das könnte ja sein, dass darüber meine Nerven geschädigt sind. Man weiß nie, ob das nicht zusammenhängt. Aber ich lese im Internet nach und informiere mich.

Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die gerade ihre Diagnose bekommen haben?

Also für mich ist das A&O Bewegung, Bewegung, Bewegung. Das würde ich auf jeden Fall sagen. Egal, in welcher Form. Also ganz klar: Bewegung ist wichtig! Auf jeden Fall ausgewogen essen: Gemüse und Obst. Aber mit Obst ein wenig aufpassen wegen dem Zucker. Ist ja nicht ganz ohne. Ebenso mit dem Getränk Cola, also die versteckten Zucker, auch in Süßigkeiten aufpassen, speziell auch Diabetiker, die danach lechzen. Für die ist das natürlich Gift. Darauf müsste man achten. Und auch mal Ruhepausen gönnen, aber sich nicht zur Ruhe setzen. Auch die Verbindung mit dem Arzt sollte man halten, denn Vorsorge ist auf jeden Fall wichtig. Ich mach mir sogar selbst eine Liste. Ich habe wie ein Art Protokoll, wo drin steht, was meine Ziele in Bezug auf meine Krankheit sind. Was man wirklich will, dass schafft man auch!

Vielen Dank!

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