Detlef Untermann im Allgäu
meine Freizeit

Die schönsten Tagestouren im Allgäu – Insidertipps eines Einheimischen

„Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele“

von Detlef Untermann (Kommentare: 0) , Foto: ©Detlef Untermann

Reisen bildet, sehr sogar, wusste schon Immanuel Kant. Vermutlich leitet sich davon die Erkenntnis ab: Weltanschauung kommt von Welt anschauen. Doch, und hier soll Johann Wolfgang von Goethe ein wenig abgewandelt werden: Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Und schon sind wir im Allgäu - in meinem Allgäu.

Dorthin würde ich dich gerne für eine knappe Woche zum Wandern mitnehmen. Du wirst es nicht bereuen. Das Allgäu gehört zu den beliebtesten und schönsten Urlaubsregionen in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Ich werde dich zu Stellen bringen, die weit ab sind vom Massentourismus.

Sehr gut! Du willst mich begleiten. Dann starten wir auch sofort, aber nicht in Kempten, meiner Geburtsstadt und sozusagen Hauptstadt des Allgäus, sondern in Fischen, einer kleinen und über 1150 Jahre alten Gemeinde an der Iller - rund 5,5 Kilometer nördlich von Oberstdorf -, in der ich viel Zeit in meiner Kindheit und Jugend verbracht habe und die als Urlaubsort nicht günstiger liegen könnte. Von dort aus kommen wir nämlich bei unseren Tagestouren, die nicht jeder kennt und macht, ziemlich schnell zu all den Sehnsuchtsorten, die du nie wieder vergisst und die dich immer wieder anlocken werden. Auch deinen Kindern oder Enkelkindern würde eine solche Reise gut tun.

„Demut gebietend und erhebend zugleich, kaum etwas in der Natur flößt uns soviel Ehrfurcht ein wie der Anblick von Bergen“, hat es der verstorbene ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Anan einmal formuliert und damit treffend das beschrieben, was man empfindet, wenn diese einmalige Natur-Kulisse vor einem liegt.

Tag 1

Den Grünten, auch als der „Wächter des Allgäus“ bekannt, im Rücken erheben sich rundherum vor uns die Allgäuer Alpen. Aber gemach, natürlich werden wir während unseres fünftägigen Allgäu-Aufenthaltes auch noch den Gipfel des Nebelhorns erklimmen. Aber erst einmal wollen wir uns etwas einlaufen. Dafür eignet sich vortrefflich der Christlessee, der idyllisch im Trettachtal liegt. Wem das noch nicht reicht, kann durchlaufen bis Spielmannsau, einem kleinen Weiler, der - früher österreichisch - seit 1844 zu Bayern gehört. Der Weg zurück ist gleichermaßen faszinierend wie der Hinweg, die beide wahlweise auf der einen oder anderen Seite der Trettach verlaufen und total unterschiedlich sind: Die satten Wiesen, die Berge, die Luft, der weiß-blaue Himmel - ein Gott gelobtes Land.

Tag 2

Wer nach diesem Einstieg noch Stadtstress verspürt, dem ist fast nicht mehr zu helfen. Um vollends runter zu kommen, muss man allerdings erst einmal hinauf - und das zu Fuß, da dort im Sommer kein Lift in Betrieb ist. Die Rede ist von Grasgehren, im Winter ein passables Skigebiet, im Sommer ein wahres Paradies für Bergwanderer, die es mit der Schriftstellerin Elizabeth von Arnim halten: „Wandern ist die vollkommenste Art der Fortbewegung, wenn man das wahre Leben entdecken will. Es ist der Weg in die Freiheit.“ Oben angekommen nehmen wir erst einmal eine Brotzeit ein, die jedem Festmahl an einer noch so reich gedeckten Tafel locker und leicht den Rang abläuft. Die traumhafte Bergkulisse ist sozusagen die Beilage, die akustisch von den Klängen der zahlreichen Kuhglocken begleitet wird.

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Tag 3

Eingelaufen und mit Lust auf mehr können wir nun Größeres angehen - frei nach Luis Trenker: Das Nebelhorn ruft. Direkt im Zentrum von Oberstdorf starten wir mit der Seilbahn und lassen uns auf über 2200 Meter Höhe fast bis zum Gipfel bringen. Die letzten Meter zum Kreuz sind dann nur noch Formsache, die mit einem 360 Grad-Panoramablick belohnt werden. All diejenigen, die vielleicht nicht so gut zu Fuß sind, können über den 100 Meter langen und barrierefreien Nordwandsteig, einer beeindruckenden Stahlkonstruktion, rund um den Gipfel laufen. Dabei eröffnet sich ein einmaliger Blick über das ganze Allgäu und seine Berge. Und wem der nicht reicht: Der kann 600 Meter nach unten in die Tiefe schauen. Dabei wird einem schnell klar, was der Bergsteiger Hans Kammerlander gemeint hat, als er zum Besten gab: „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist. Denn vorher gehörst du ihm.“ So wollen wir uns denn wieder nach unten begeben und nehmen den Weg zur Bergstation. Noch im Kammbereich geht es vorbei an startenden Gleitschirmfliegern, dann kommt mit dem steinigen Südhang der schwierigste Teil, der aber durchaus auch mit Kindern bewältigt werden kann. Hiernach ist es dann in der Tat nur noch ein Kinderspiel, das mit einer Vielzahl von Alpenblumen und im Sommer mit beachtlichen Schneeresten vom Winter angereichert wird. An der Bergstation Höfatsblick nehmen wir die Bahn, da der Fußweg zur Seealpe ausgesprochen unangenehm und zum Teil so steil ist, dass er als Abfahrt im Winter bei Skifahrern berüchtigt ist. An der Mittelstation angekommen haben wir zwei Möglichkeiten: Weiter mit der Bahn ins Tal oder zu Fuß den Abstieg über das Faltenbachtal, einem der schönsten Tobelwege in Oberstdorf.

Tag 4

Darf es ein bisschen mehr sein? Dann geht es heute hoch zum Söllereck. Der zum Teil bewaldete Grasberg zählt zu den Favoriten der Bergwanderer, der nicht ohne Grund Familienberg genannt wird. Hier sind in den letzten Jahren so viele Angebote für Groß und Klein geschaffen worden, dass eine Aufzählung an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Deshalb begeben wir uns gleich auf den Abstieg, der uns zunächst über das Berghaus Schönblick auf den Naturerlebnisweg führt, den wir allerdings bei der Hochleite wieder verlassen, um den kürzeren, aber steileren Weg zum Freibergsee, den mit 18 Hektar größten Allgäuer Hochgebirgssee, zu nehmen. Der offenbart sich uns dann so plötzlich wie idyllisch zwischen den Bäumen und lädt gewissermaßen zur Brotzeit auf einer der am Wegesrand stehenden Bänke ein. Nach einer angemessenen Pause laufen wir den flachen Weg gemächlich zur Talstation, die wir - alles in allem - nach viereinhalb Stunden erreichen und uns mittlerweile so fühlen wie die Bergsteigerin Melissa Arnot, die einmal festgestellt hat: „In den Bergen habe ich mich zum ersten Mal zuhause gefühlt.“

Tag 5

Waren wir tags zuvor doch schon recht nah am Kleinwalsertal, werden wir jetzt hineinfahren und uns einen Berg, zumindest einen Teil davon, erwandern. Dieser Berg zählte noch bis vor Kurzen zum absoluten Geheimtipp der Allgäuer Alpen: der Hohe Ifen. Auch wenn es nach der Erschließung in den letzten Jahren mit der Ruhe ein wenig vorbei ist, so bietet der Ifen einen faszinierenden Panoramaweg und beeindruckende Gebirgsmassive. Beim Abstieg von der Ifenhütte zur Talstation fällt der Blick auf die Kleinwalsertaler Berge. Und unten angekommen spüren wir, wie recht der Schriftsteller und Lehrer Josef Hofmiller doch gehabt hat: „Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele.“

Wann treffen wir uns wieder?

Na, habe ich Dir zu viel versprochen? Nein, ich glaube nicht, auch wenn ich dir nur ein ganz kleines Stück Allgäu gezeigt habe. Denn es gibt noch so viel zu sehen zwischen Memmingen im Norden und Oberstdorf respektive Baad (Kleinwalsertal) im Süden, zwischen Wangen im Westen und Kaufbeuren, Marktoberdorf und Füssen im Osten. Wann also treffen wir uns wieder? Darüber reden wir in einem der Biergärten, die - wie der Jagdhaus-Biergarten in Oberstdorf - zur bayerischen Lebensart gehört und in denen die Welt noch in Ordnung ist.

Und, hat dich der Allgäu überzeugt? Lass mir doch in einem Kommentar da, wo du am liebsten wandern gehst.

Falls du noch mehr Eindrücke von ‚meinem’ Allgäu sammeln möchtest, habe ich hier noch eine kleine Bildergalerie für dich auf meinem persönlichen Blog.

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Detlef Untermann

Detlef Untermann ist derzeit der einzige Großvater Deutschlands, der als solcher seine Gedanken in einem Blog veröffentlicht. Doch das ist längst nicht alles, was der 65-jährige Journalist und Kommunikationsmanager zu bieten hat. Der leidenschaftliche Hobbykoch ist u.a. Vorsitzender des Vereins KINDER | KOCHEN. In seinen Texten zeigt der Opa von zwei Enkeln, wie kreativ man Freizeit gestalten kann und gibt wertvolle Ratschläge aus eigener Erfahrung.

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