Gefrorene Zapfen
meine Gesundheit

Frieren ist gesund

Ein bisschen Kälte tut uns gut – für eine gewisse Zeit

von Claudia Dechamps (Kommentare: 0) , Foto: Pexels

Zitter, bibber, kalt – das muss einem aber dazu gesagt werden, dass Frieren gesund sein soll. Ich friere ungern und habe absolut nichts einzuwenden gegen mollige Pullover, dicke, warme Socken und angenehm temperierte Wohnräume. Wissenschaftler dagegen meinen, wir sollten frieren.

Unsere Räume sind überheizt, im Winter mit T-Shirt durch die Wohnung zu laufen, ist unnötiger Luxus. Der sich später auf der Heizkostenabrechnung bemerkbar macht. Doch nicht aus wirtschaftlichen Gründen sollten wir regelmäßig frieren, sondern weil es gut für die Gesundheit ist.

Der niederländische Forscher Wouter van Marken Lichtenbelt untersucht an der Universität Maastricht die Auswirkungen von Umgebungsfaktoren auf unseren Stoffwechsel. Mit seinem Team hat er freiwillige Probanden ein wenig frieren lassen. Mehrere Stunden am Tag sollten sie sich in kühlen Räumen aufhalten. Der Effekt war verblüffend – die Körpersysteme der Testpersonen gewöhnten sich an die Temperaturwechsel und sie berichteten sogar, dass sie sich wirklich wohler fühlten. Das Training tat ihnen gut, ihr Kreislauf musste sich anpassen und anstrengen, um die Körpertemperatur gleichmäßig zu halten. Ganz nebenbei wurden so Herz und Blutgefäße trainiert.

Kältereize als Fitnessprogramm

Kältereize sind als optimales Fitnessprogramm für unser gesamtes Kreislaufsystem schon lange bekannt. Vor gut 150 Jahren hat der schwäbische Pfarrer Sebastian Kneipp festgestellt, dass er sich selbst mit Bädern in der eiskalten Donau von der Lungentuberkulose geheilt hatte. In Wörishofen etablierte er Ende des 19. Jahrhunderts seine heute in der ganzen Welt bekannten, gesundheitsfördernden Kneipp-Kuren, zu denen kalte Güsse und Wassertreten im Becken gehören.

Kurz kalt duschen am Morgen bringt den Kreislauf in Schwung und stärkt das Immunsystem. Auch ein regelmäßiges Sportprogramm an der frischen, kalten Luft kurbelt die Durchblutung an und fördert die Widerstandskräfte. Ein eiskalter Guss nach dem Saunagang tut gut, weil er die Gefäße fordert.

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Heizungsthermostat runter drehen

Kurz kalt ist also gar nicht schlecht. Wissenschaftler van Marken Lichtenbelt findet allerdings, es sollte ruhig ein bisschen mehr sein. Wir sollten aus Gesundheitsgründen den Raumthermostat bewegen und die Zimmertemperatur von „kuschelig“ auf „gesund“ stellen. In Wohnräumen entspräche das einer Wärme von 20 Grad, im Schlafzimmer reichen 16 bis 18 Grad völlig aus. Eigentlich findet Lichtenbelt 18 Grad auch fürs Wohnzimmer völlig okay, aber daran muss man sich vielleicht erst langsam gewöhnen.

Braune Fettzellen in Aktion

Jedenfalls sorgt ein wenig Frieren dafür, dass unser Fettgewebe arbeiten muss. Wer an der Heizung dreht, kann gleichzeitig etwas für seine schlanke Linie tun. Das hat mit der speziellen Beschaffenheit der Fettpölsterchen zu tun. Fett ist nämlich nicht gleich Fett. Was an Hüften, Bauch und Oberschenkeln sitzt, ist weißes Fett. Dieses Fett speichert Energie und kann leider ziemlich hartnäckig an seinem Platz verharren. Doch daneben besitzen wir Menschen auch noch braunes Fettgewebe, es findet sich im Brust- und Nackenbereich rund um die Wirbelsäule und oberhalb der Schlüsselbeine. Das braune Fett ist sozusagen unser eigenes Heizkraftwerk, denn die braunen Fettzellen verbrennen Energie und setzen Wärme frei. Wenn wir frieren, dann treten die braunen Fettzellen in Aktion, sie nutzen das weiße Fett zur Energiegewinnung und sorgen dafür, dass unser Körper warm bleibt.

Kälte wirkt auf den Zuckerstoffwechsel

Wer also selten frieren muss, verringert damit seine braunen Fettdepots. Die haben zu wenig zu tun, zum Heizen werden sie nicht gebraucht und schwinden daher. Die weißen dagegen ringeln sich munter um die Leibesmitte, sie haben auch nichts zu tun und vermehren sich deshalb fröhlich. Kurze Kälteperioden auszuhalten, regt den Körper an, braunes Fettgewebe zu bilden. Die braunen Fettzellen sorgen übrigens noch für einen weiteren Effekt, wie Lichtenbelt in einem seiner zahlreichen Experimente feststellte: Kältesitzungen können den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen. Ein bisschen Frieren ist gesund. Man muss es ja nicht gleich wie Wim Hof aus Holland machen, der – bis über die Schultern in Eis verpackt – mit 110 Minuten den Weltrekord im Eissitzen hält.

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Claudia Dechamps

Hauptsache gesund! Ja, wenn das immer so einfach wäre. Gesund sein ist ein Geschenk und gesund bleiben – da kann man schon eine Menge für tun. Was sinnvoll ist und welche neuen Erkenntnisse es gibt, dazu recherchiert Claudia Dechamps gern und leidenschaftlich im Netz und schreibt für euch darüber.

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